Vorwort zur 2. Auflage

Strukturgleichungsmodelle sind in allen Wissenschaftsdisziplinen von größter Bedeutung, da sie das Standardinstrument zur empirischen Prüfung von Hypothesensystemen darstellen. Dabei stehen oftmals die Beziehungen zwischen hypothetischen Konstrukten (sog. latenten Variablen) im Fokus des Interesses. Da diese Größen jedoch nicht beobachtbar sind, müssen sie zunächst durch die Konstruktion geeigneter Messmodelle einer Messung zugänglich gemacht werden.

Aus diesem Grund steht bei der Strukturgleichungsmodellierung (SGM) vor dem Prozess der eigentlichen Modellschätzung die Konzeptionierung der latenten Konstrukte, deren Operationalisierung und deren Güteprüfung. Da die Analyse von Strukturgleichungssystemen zudem neben der intensiven Auseinandersetzung mit der Theorie (z. B. bei der Ableitung von Hypothesen und Messmodellen) auch die Verwendung von spezifischer Analysesoftware erfordert, bestehen häufig erhebliche Zugangsbarrieren zu dieser Thematik, sodass eine Kluft zwischen gut geschulten bzw. mathematisch vorgebildeten Experten und grundsätzlich interessierten Anwendern entsteht. Trotz der großen Bedeutung der SGM für die Wissenschaft sind in diesem Bereich nur wenige Lehrbücher verfügbar. Die meisten dieser Lehrbücher sind dadurch gekennzeichnet, dass sie einerseits meist stark methodenorientiert und eher für den mathematisch versierten Leser geschrieben sind und andererseits die unterschiedlichen methodischen Aspekte (z. B. LISREL versus PLS) häufig nur isoliert behandeln.

Trotz der großen Bedeutung der Strukturgleichungsmodellierung für die Wissenschaft sind nur wenige Lehrbücher verfügbar. Diese wenigen Lehrbücher sind weitgehend dadurch gekennzeichnet, dass sie einerseits meist stark methodenorientiert und eher für den mathematisch versierten Leser geschrieben sind und andererseits die unterschiedlichen methodischen Aspekte (z. B. LISREL versus PLS) häufig nur isoliert behandeln.

Vor diesem Hintergrund wurde das vorliegende Buch für den Anwender geschrieben und „einsteigergerecht“ konzipiert: Dabei wurde besonderer Wert auf die Verzahnung zwischen Theorie bzw. Sachlogik und mathematischer Methodik gelegt, und der wissenschaftliche Prozess der Strukturgleichungsmodellierung wird in allen Stufen – von der theoretischen Konstrukt¬konzeptionierung bis zur Modellschätzung und dessen Prüfung – beschrieben. Im Bereich der SGM-Methodik werden geringst mögliche Ansprüche an mathematische Vorkenntnisse gestellt und alle Rechnungen zunächst an kleinen Beispielen erläutert. Anschließend werden über ein durchgehendes Fallbeispiel der SGM-Gesamtprozess sowie dabei bestehende Analyseoption anhand der zugehörigen Outputs aus den entsprechenden Softwarepakten (SPSS, AMOS, SmarPLS) interpretiert, Handlungsempfehlungen ausgesprochen und weiterführende Literaturhinweise gegeben.

Das Buch ist insbesondere für die Lehre im Master- und Promotionsstudium geeignet. Die 2. Auflage wurde in allen Kapiteln aktualisiert und zusätzlich um Kapitel 17 „Zentrale Anwendungsprobleme der Kausalanalyse“ erweitert. Dabei werden vor allem mit der „Gemeinsamen Methodenvarianz“ und der „Multikollinearitätsproblematik“ zwei Themenfelder adressiert, die in vielen Lehrbüchern eher stiefmütterlich behandelt werden, obwohl sie bei praktischen Anwendungen häufig von großer Bedeutung sind. Zusätzlich dazu wurden vier weitere Spezialfelder in komprimierten Kurzkapiteln behandelt, die dem Leser als Ausgangspunkt für eine intensivere Auseinandersetzung mit diesen Themen dienen können.

Bei der Überarbeitung des Buches haben wir wertvolle Hinweise und Anregungen zu Kapitel 15 „Kausalanalyse mit PLS“ von Herrn Univ.-Prof. Dr. Christian M. Ringle, TU Hamburg-Harburg, erhalten, wofür wir uns besonders bedanken. Ebenso danken wir Herrn Dr. Frank Buckler, der eine Aktualisierung und kritische Durchsicht des Kapitels 16 „Universelle Strukturgleichungsmodelle (USM)“ vorgenommen hat. Da die Vereinfachung von Sachverhalten und die Komprimierung von Inhalten immer auch mit Einschränkungen in der Gültigkeit verbunden sind, gehen alle im Buch enthaltenen Ungenauigkeiten und verbliebenen Druckfehler zu unseren Lasten.


Trier, im Januar 2014
Rolf Weiber  ▪  Daniel Mühlhaus